Curated Shopping bei Zalon: Klappt das wirklich? Ein Selbstversuch

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Curated Shopping bei Zalon: Klappt das wirklich? Ein Selbstversuch
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  • Von deutschewhiskybrenner
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Die Frau heisst Barbara. Sie sitzt irgendwo im Nirgendwo in einem Büro oder Container oderin einer Halle in München und sucht gerade Kleider für mich aus.

Barbara ist Beraterin,Mode- und Kommunikationsdesignerin und Stylistin, das steht zumindest auf der Webseitevon Zalon. Sie kleidet sich gerne schlicht, hat ein frisches Lachen und ihre blonden Haarefallen so, wie sie eben fallen müssen, wenn man sie unkompliziert zusammenbindet, damitalles gut aussieht, aber niemals zu gewollt.

Barbara fühlt sich irgendwie vertraut an. Wie eineFrau, die man in einer Bar sieht und denkt: Die kleidet sich aber gut, das will ich auch.

Curated Shopping ist das neue Zauberwort

Deshalb habe ich Barbara als meine Stylistin ausgewählt. Und habe damit Zalon vertraut,einem neuen Online-Shopping-Dienst von Zalando. Ein Stylist sucht dabei neue Teile füreinen aus und schickt sie einem gratis zu. Man zahlt, was man behalten will. Den Rest schicktman umsonst wieder zurück.

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Curated Shopping, wie man Einkaufen mit Beratung nennt, wirdimmer beliebter. Es ist die Antwort auf schier unendliche Auswahl im Internet – und passtmarketingtechnisch hervorragend in den Personalisierungstrend.

Ich schlafe lieber länger, als morgens um sechs Schminktutorials auf Youtube anzuschauen, damit ich meine Lidstrichfarbe meinen neuen Hosen anpassen kann.

Jeder fünfte Schweizer hat schon mal bei Zalando bestellt. Das Baby Zalon ist in der Schweizseit ein paar Monaten Online. Kein neues Modell, bietet zum Beispiel Outfittery diesenDienst schon länger an.

Aber neu für mich: Ich kaufe mir meine Kleider immer selbst. Ichkaufe mir selten was, und wenn, dann gleich in grossen Massen, damit ich wieder ein JahrRuhe habe. Ich gehöre nicht zu den Fashion Victims, kaufe Modemagazine nur wegen derReportagen-Seiten und schminke mich nie.

Für Barbara also ein hartes Stück Arbeit. WirdBarbara instinktiv wissen, was ich wirklich will, obwohl ich das selbst nicht wirklich weiss?Was mir steht, weiss ich nach ein paar Jahren auf dieser Welt und im immer gleich grossenKörper als Erwachsene ja schon. Aber ist es nicht auch Sinn und Zweck eines Stylisten, dieeigenen Grenzen auszuloten? Dinge ans Herz zu legen, die man im ersten Moment nie selbstanprobiert hätte? Farben, von denen man dachte, sie stünden einem nie?

Ich weiss nichteinmal, ob ich ein Winter-, Herbst- oder Sommertyp bin. Ich ziehe seit Jahren keine Pumpsmehr an, weil ich sie unbequem finde und darin nicht laufen kann. Und dass ich lieber längerschlafe, als morgens um sechs Schminktutorials auf Youtube anzuschauen, damit ich meineLidstrichfarbe meinen neuen Hosen anpassen kann, macht die Sache auch nicht leichter.

Zalon und Barbara versuchen es trotzdem. Sie fragen mich 15 Minuten lang über gefühltehundert Seiten hinweg, was ich gerne trage und was nicht. Und was niemals.

Ein knöchellanger Rock in Grau! Ein Rollkragenpullover in Schwarz! Ich fühle einen Stich im Herz. Barbara, bist du wirklich so schlecht?

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Curated Shopping bei Zalon: Klappt das wirklich? Ein Selbstversuch

Ich klickemich durch. Die Grössentabellen kommen. Die Gewichtstabellen. Die Körperformen. Birne,Apfel? Breitere Hüfte als die Schultern? Es ist eine Gesamtaufnahme meiner physischenPräsenz.

Es geht ans Ökonomische

Dann geht's an das Ökonomische: Zalon fragt mich, wie viel Geld ich normalerweise fürKleider ausgebe. Wenig, antworte ich. Ich bereue es sofort. Schicken diese Leute mir jetztPlastiktaschen und Stilettos, die nach fünf Schritten auseinanderfallen?

Man kann auch Fotoshochladen, damit der Stylist noch besser über einen Bescheid weiss. Ich weigere mich.

Auchtelefonieren kann man mit dem Stylisten. Ich weigere mich.

Ich will eine Black Box bleiben.Wird Barbara mich durchschauen?

Nach ein paar Tagen und dann die erste Auswahl von Barbara per Mail. Ich bin enttäuscht.Die Teile sind fade, in weiss, grau und schwarz gehalten. T-Shirts, die ich bei H&M in derBasic-Abteilung für neun Franken kaufen könnte.

Dann endlich kommt das Paket an. Meine Nachbarin ist aufgeregter als ich. Sie will mit auspacken. Sie sagt, wenn das bei mir klappt, dann probiert sie das auch.

Ein knöchellanger Rock in Grau!

EinRollkragenpullover in Schwarz!

Ich fühle einen Stich im Herz. Barbara, bist du wirklich soschlecht? Warum spürst du nicht, wer ich in meinem Inneren wirklich bin? Ist alles meineSchuld? Ich schlucke meine Enttäuschung runter und wähle die meisten Kleider wieder ab.Ich schreibe in die Begründungszeile: Zu fade, nicht aufregend, nicht speziell genug. Du bistdoch eine Stylistin, Barbara! Fordere mich heraus!

Das Paket ist da: Eine Verheissung in weiss-blau!bild: anna miller

Dann endlich kommt das Paket an. Weiss-blau liegt es im Eingang. Meine Nachbarin istaufgeregter als ich. Sie will mit auspacken. Sie sagt, wenn das bei mir klappt, dann probiertsie das auch. Wir packen aus. Sorgsam zusammengebunden liegen die Kleider im Karton,zwei Päckchen, für zwei verschiedene Outfits. Zalon überlässt nichts dem Zufall.

Barbara hatmir eine Anleitung beigelegt, wie ich was zu kombinieren habe. «Style deine Relaxed-Jeanszu Blusentops oder einem Rollkragenshirt in Blau! Pumps in Nude runden diesen Lookperfekt ab.»

So sieht der Inhalt aus.bild: anna miller

Passend dazu wurde der Rollkragenpullover in blau auch gleich um 20 Prozentreduziert. Die Jeans geht mir knapp über die Oberschenkel. Der Rollkragenpullover sieht altan mir aus, die weisse Bluse lässt meine Schultern hängen. Und das Blusenkleid mitSchlangenprint lässt mich aussehen wie ein Teenager in den Neunzigern, als alles erlaubt war,aber irgendwie scheisse aussah.

Mir dämmert: Das erste Mal seit Jahren trage ich gerade ein Outfit, nicht nur Kleider an meinem Körper.Die weisse Bluse lässt meine Schultern hängen. Schade.bild: anna miller

Doch die Pumps: Ein Volltreffer. Hell, bequem, die richtige Grösse. Hätte ich mir so imLaden nie gekauft. Jetzt, wo ich sie an meinen Füssen trage, merke ich: Steht mir eigentlichganz gut. Und dieser rote Blazer? Steht mir auch. Hätte ich so auch nie gekauft. Ich will ihneigentlich wieder zurückschicken, zu sehr Fashion Statement, aber es ist schon zu spät. Ichhabe ihn lieb gewonnen. Er wird bleiben.

Der rote Blazer: top. Die Schuhe auch. Oder?bild: anna miller

Es ist irgendwie seltsam: Ich sehe in den Kombinationen gar nicht schlecht aus. Mir dämmert:Das erste Mal seit Jahren trage ich gerade ein Outfit, nicht nur Kleider an meinem Körper. Ichfreue mich, es macht Spass. Die Kontrolle mal aus der Hand geben, neue Inputs erhalten. Ichsehe etwas fremd aus, nicht so, wie sonst. Aber gut.

Meine Nachbarin hat ein paar Stunden später auch so ein Paket bestellt. Sie liebt ihre neuen Schuhe. Die durchsichtigen Blusen für den Business-Look schossen leider am Ziel vorbei.

Dabei hatte es Barbara nicht leicht. DerStyling-Dienst muss nämlich einen Spagat schaffen: Er will Modeberater für die breite Massesein und doch immer Neues und Überraschendes liefern. Zalon ist gut für neue Inputs, undum Welten angenehmer als Online-Shopping auf Zalando. Ein Dienst für Leute, die sich ohnegrosse Mühen neue Inputs holen wollen, obwohl sie schon vieles im Schrank haben.

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Die Blusen schiessen am Ziel vorbei

Wennman aber nicht alles aus dem Paket kauft, und das ist wohl die Regel, dann wird man die Teileam Ende ja doch alle wieder selber kombinieren müssen. Wer da keine Ahnung von Modehat, wird am Ende genau gleich schlimm rumlaufen wie davor schon.

Meine Nachbarin hat ein paar Stunden später auch so ein Paket bestellt. Sie liebt ihre neuenSchuhe. Die durchsichtigen Blusen für den Business-Look schossen leider am Ziel vorbei.